10.09.2013

In Minuten 25 Jahre altern

Bild: Alterssimulation Niederberger
Roman Niederberger probierte Alterssimulationsanzug der IG Metall
25 Jahre in wenigen Minute zu altern – diese Erfahrung vermittelt der Alterssimulationsanzug, den die Gewerkschaft IG Metall verwendet, um auf die Situation älterer Arbeitnehmer aufmerksam zu machen. Vor kurzem hatte der SPD-Landtagskandidat für das Berchtesgadener Land und den Rupertiwinkel Roman Niederberger in Traunstein die Möglichkeit, bei einem Infostand der IG-Metall-Jugend einen solchen Anzug auszuprobieren. Im darauffolgenden Gespräch mit dem Kreisvorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes Dieter Schaefer ging es um flexible Lösungen für den Renteneintritt und natürlich auch um die viel kritisierte „Rente mit 67“.

Trotz starker Kurzsichtigkeit ohne Brille und ausgestattet mit Hörschutz, einer Halskrause, Spezialhandschuhen, einer Gewichtsweste, Gewichtsmanschetten und Gelenkbandagen für Arme und Beine ging es für Roman Niederberger ans Werk. Der Diplom-Finanzwirt (FH) stapelte Kisten, drehte über Kopf Schrauben ein, knotete Ballons und durfte zum Schluss auch noch eine Nadel einfädeln. Am anstrengendsten war für den 41-jährigen Pidinger das Arbeiten über Kopf mit den Gewichtsmanschetten. „Schon nach zehn Minuten merkt man mit dem Simulationsanzug sehr deutlich, welchen Belastungen ältere Menschen bei solchen Tätigkeiten ausgesetzt sind“, stellte er fest.

Im folgenden Gespräch waren sich Dieter Schaefer und Roman Niederberger einig darüber, dass für Menschen mit körperlich anstrengenden Berufen ein früherer Renteneinstieg ohne Abschlag möglich sein soll. „Der SPD-Vorschlag, bei 45 Versicherungsjahren mit 63 Jahren ohne Kürzungen in Renten zu gehen, ist ein vernünftiger Anfang“, meinte Dieter Schaefer. Insgesamt müsse man mehr Flexibilität beim Übergang in die Rente schaffen. Als wichtigen Punkt des SPD-Regierungsprogramms für den Bund stellte Roman Niederberger das Konzept der Solidarrente dar: wer 30 Jahre Beiträge in die Rentenkasse einbezahlt hat, soll später mindestens 850 Euro Rente bekommen. Dies sei ein spürbarer Beitrag zur Bekämpfung der Altersarmut.

Weiterhin ein zentraler Punkt für die Gewerkschaften ist die Abschaffung der Rente mit 67. „Solange die meisten Arbeitnehmer nicht einmal das 65. Lebensjahr im aktiven Beschäftigungsverhältnis erreichen, ist die Rente mit 67 nichts anderes als eine Rentenkürzung“, so der DGB-Kreisvorsitzende. Hier müsse nach den Landtags- und Bundestagswahlen neue Bewegung in die Politik kommen, was aber von den derzeitigen Regierungsparteien nicht zu erwarten sei, so Dieter Schaefer.

Insgesamt sei es wichtig, einen noch stärkeren Dialog zwischen Politik und Gewerkschaften zu organisieren, zeigte sich Dieter Schaefer zum Abschluss des Gesprächs überzeugt. Als ehemaliger Jugend- und Auszubildendenvertreter im Finanzamt und mit über 20 Jahren Mitgliedschaft in der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di sei er auf alle Fälle dazu bereit, meinte Roman Niederberger.

Fotos:
Roman Niederberger beim Schrauben eindrehen


Rente 

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