13.06.2008

SPD-Politiker informieren sich im Seniorenwohn- und Pflegezentrum Insula

Auf Einladung des Leiters des Seniorenwohn- und Pflegezentrums Insula, Rolf Hopmann, waren der Landtagskandidat der SPD, Roman Niederberger, der Bezirkstagskandidat, Guido Boguslawski, der Fraktionssprecher der SPD im Kreistag und im Bischofwieser Gemeinderat, Hans Metzenleitner, der Bischofswieser Gemeinderat Dr. Werner Vietze und der Vorsitzende des SPD- Ortsvereins Bischofswiesen, Klaus Gerlach, in die Insula gekommen, um sich vor Ort von den Mitarbeitern informieren zu lassen. Bekanntlich liegt die Zuständigkeit für die gesetzliche Weiterentwicklung der Pflegegesetzgebung künftig bei den Ländern. Der Freistaat Bayern hat hier also eine Chance, für seine Bürger einen Teil des staatlichen Sozialsystems selbst vorbildlich auszugestalten. Umso wichtiger war es für die beiden Kandidaten für den Landtag und den Bezirkstag, die Chancen und Risiken dieser Entwicklung in Bayern von den im Pflegedienst Betroffenen unmittelbar erläutert zu bekommen.
Rolf Hopmann zeigte zunächst an Hand einiger demografischer Daten auf, dass die Heimpflege in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Die Gesellschaft wird älter: das Durchschnittsalter der Deutschen wird bis 2020 von heute knapp 44 Jahren auf knapp 48 Jahre ansteigen und der Anteil der 60 – 79-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird von heute ca. 22 auf fast 25 % ansteigen. Für die stationäre Pflege wird es darauf ankommen, bei ständig zunehmenden qualitativen und vor allem auch administrativen Anforderungen an das Personal, junge Leute für die Ausbildung in der Altenpflege zu motivieren, um auch künftig den notwendigen Personalbestand zu sichern. Aufgabe der Landespolitik wird es sein, die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen.

„Uns reicht´s – die Pflege kann bald nicht mehr!“
Mit dieser kurzen Formel brachte Rolf Hopmann die angespannte Lage der stationären Pflege auf den Punkt. Unabhängig davon legte er Wert auf die Feststellung, dass es immer noch wohltuend ist, sich auf eine Mannschaft qualifizierten und motivierten Personals abstützen zu können. Ergänzt durch praxisnahe Beiträge seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurde den SPD-Politikern aber ein deprimierendes Bild präsentiert:
Der ohnehin sehr randgenähte Personalbemessungsschlüssel wird zusätzlich dadurch belastet, dass die Pflicht zur Dokumentation aller Pflegeleistungen sehr aufwendig ist und dafür z.B. allein für ein 150-Bettenhaus im Wohnbereich eine zusätzliche Planstelle erforderlich wäre. Der Personalschlüssel dort von 1:24 erlaubt jetzt schon nicht die Mindestpflegeleistung von täglich 15 Minuten für jeden Bewohner zu erbringen. 2003 lag dieser Personalschlüssel noch bei 1:14. Angemessen wäre ein Schlüssel von mindestens 1:16.
Ein weiteres Beispiel: Senioren , die nach einem Krankenhausaufenthalt zur Kurzzeitpflege eingewiesen werden, werden von den Kassen lediglich in der Pflegestufe 1 refinanziert, obwohl der Pflegeaufwand in der Regel den Stufen 2 oder 3 entspricht. Die Entscheidungen auf Anträge zur Höherstufung lassen oft so lange auf sich warten, dass die Patienten dann bereits entlassen sind. Allein im Jahre 2007 waren 282 Patienten zur Kurzzeitpflege in der Insula. Die Koppelung von Planstellen und Pflegestufe führt so zu einer kontinuierlichen Unterbesetzung. Dies geht zu Lasten des Personals und der übrigen Patienten. Die wesentliche Pflegeleistung, die menschliche Zuwendung, kommt dabei immer zu kurz.
Diese Verhältnisse, Dienst am Wochenende, Nachts und an Feiertagen, bescheidene Bezahlung sowie keine Vergütung für Bereitschaftsdienste führen dazu, dass immer weniger junge Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen sind.
Der Appell des Pflegepersonals an die Politik lautet daher: Es müssen Konzepte entwickelt werden, die Schluss machen mit der überzogenen Bürokratie, der bestehende Personalschlüssel muss verbessert werden, Patienten in der Kurzzeitpflege müssen ab dem 1. Tag in Stufe 2 eingestuft werden. Nur so kann es gelingen, dem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen und vor allem auch eine patientengerechte Versorgung in der Pflege sicherzustellen.

Praktizierte Solidarität am Arbeitsplatz
Roman Niederberger stellte fest, dass die vorgetragenen Wünsche nach seiner Beurteilung absolut berechtigt sind, Auf der anderen Seite werden Verbesserungen politisch wegen der damit verbundenen Mehrbelastungen in der Pflegeversicherung und daraus dann resultierenden höheren Lohnnebenkosten politisch nur schwer durchzusetzen sein. Er plädierte für eine Umstrukturierung in unserem Sozialsystem, ein Teil der Pflegekosten müsse steuerfinanziert werden. Dieses Beispiel zeige, dass die Probleme unseres Sozialsystems künftig mehr staatliche Leistungen in Anspruch nehmen werden. Da aber das Geld irgendwo herkommen muss, ist jetzt absolut kein politischer Handlungsspielraum gegeben, großzügige Steuerentlastungen zu versprechen. Dies werde die SPD auch nicht tun.
Ganz unter dem Eindruck des Vortrags von Rolf Hopmann und der Diskussion mit dem Pflegepersonal bot Roman Niederberger spontan an, unter dem Motto „Aktion Rollentausch“ einen Tag im Pflegedienst in der Insula mitzuarbeiten- ein Angebot, das ebenso spontan mit Respekt und Dank angenommen wurde.


Bild:
Landtagkandidat Roman Niederberger (Mitte) in der Diskussion mit dem Pflegepersonal der Insula, Rechts neben ihm der Einrichtungsleiter Rolf Hopmann, links Bezirkstagskandidat Guido Boguslawski und SPD-Fraktionssprecher Hans Metzenleitner.




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