Pidinger Werkstätten

Bild: Pidinger Werkstätten
Einen ganzen Vormittag Zeit nahm sich der Geschäftsführer der Pidinger Werkstätten GmbH Herman Seeböck für seine Gäste von der SPD: die Bad Reichenhaller Stadträtin Güldane Akdemir und der Kreisvorsitzende der SPD Berchtesgadener Land Roman Niederberger besuchten die Einrichtung der Lebenshilfe in Bichlbruck. Sie lernten einen modernen Wirtschaftsbetrieb kennen, der mit vielen großen Firmen in der Region zusammenarbeitet und trotzdem seinem besonderen Anspruch als Werkstätte für Menschen mit Behinderung gerecht wird. Aber auch die Herausforderungen, die eine schwierige Arbeitsmarktlage für behinderte Menschen und die Aussetzung des Zivildienstes mit sich bringen, wurden bei dem Besuch angesprochen.

„Menschen mit Behinderung zählen zu den großen Verlierern der Wirtschaftskrise“, stellte Hermann Seeböck nüchtern fest. Sie waren stärker als andere vom Stellenabbau betroffen und werden auch nach den Zahlen der heimischen Agentur für Arbeit nach Überwindung der Krise kaum wieder eingestellt. Umso wichtiger seien die fortlaufenden Bemühungen, in den Pidinger Werkstätten anspruchsvolle Arbeiten in einer behindertengerechten Umgebung anzubieten. Die Mitarbeiter sind aber auch in vielen Firmen in der Region vor Ort tätig, wenn diese bereit sind, sich dafür zu öffnen. Bis zu zehn Mitarbeiter sind beispielsweise regelmäßig bei der Privatbrauerei Wieninger im Einsatz.

Auf viele Bekannte und Freunde traf beim Gang durch die unterschiedlichen Bereiche der Einrichtung die SPD-Stadträtin Güldane Akdemir, deren Schwester seit vielen Jahren Mitarbeiterin in der Schongruppe der Werkstätten ist. Durch die großzügige Unterstützung der Teilnehmer der Edelweiß-Rallye und der Willi Althof-Stiftung kann hier ein Anbau als Rückzugsraum für die Schongruppe erstellt werden. Gemeinsam mit Roman Niederberger konnte sich Güldane Akdemir davon überzeugen, dass in Schreinerei, Wäscherei, Metallbearbeitung, Montage, Archivierung und Wachsmanufaktor hochwertige Arbeit geleistet werden. „Wir sind kein Bastelbetrieb, sondern haben als zertifizierter Betrieb einen hohen Qualitätsanspruch“, erklärte Hermann Seeböck.

Auf die starken Anforderungen an die Leiter und Betreuer der einzelnen Bereiche kam Roman Niederberger zu sprechen. „Wir brauchen Mitarbeiter mit doppelter Qualifikation: in ihrem jeweiligen Fachbereich und als Betreuer“, pflichtete ihm der Geschäftsführer bei. Sehr schmerzlich wirkt sich für die Pidinger Werkstätten die Aussetzung des Zivildienstes zum 01.07.2011 aus. 2010 waren noch 17 junge Männer im Rahmen ihres sechsmonatigen Zivildienstes in der Einrichtung. „Sie waren eine wichtige Ergänzung unseres Betreuungsschlüssels von 1 zu 12“, stellte Hermann Seeböck fest. Man will nun versuchen, die Lücke durch zusätzliche Praktikanten, Stellen im Freiwilligen Sozialen Jahr, aber auch durch den Bundesfreiwilligendienst und das neue Projekt Bürgerarbeit auszugleichen: „Die bürokratischen Hürden machen uns dabei allerdings zu schaffen; wir bringen jetzt für die Bürgerarbeit den dritten Antrag auf den Weg“. Roman Niederberger sagte zu, sich deswegen mit den SPD-Abgeordneten in Bund und Land Dr. Bärbel Kofler und Adelheid Rupp in Verbindung zu setzen.

Als echten Beitrag für zusätzliche Lebensqualität stellte der Geschäftsführer das große Angebot an arbeitsbegleitenden Maßnahmen und Kursen vor, die von Sport und Kultur bis zum Schafkopfen reichen. Mit 232 Mitarbeitern mit Behinderung und 45 anderen Beschäftigten gehören die Pidinger Werkstätten schon jetzt zu den größten Arbeitgeber in der Gemeinde. „Und wir werden wohl noch weiter wachsen“, stellte Hermann Seeböck beim Blick nach vorn fest.

Zum Abschluss des Rundgangs erwartete die Gäste noch ein Mittagessen in der Kantine der Einrichtung, in der ebenfalls behinderte Menschen als Mitarbeiter tätig sind. Güldane Akdemir und Roman Niederberger bedankten sich herzlich für das offene Gespräch und die ausführlichen Informationen über die Arbeit der Pidinger Werkstätten.

Foto:
Mit einigem Stolz weisen die Pidinger Werkstätten auf ihre Zertifizierung nach ISO-Norm hin (von links nach rechts):
Hermann Seeböck, Güldane Akdemir, Roman Niederberger